Piesporter Goldtröpfchen – Spitzen-Riesling aus dem Anbaugebiet Piesport an der Mosel
Piesporter Goldtröpfchen (Mosel)
Die steile, felsige Lage “Goldtröpfchen”, oberhalb des romantischen Winzerdorf Piesport ist eine der bekanntesten Lagen der Mosel. Durch die starke Windung der Mosel hat dieser Weinberg die Form eines nach Süden geöffneten Amphitheaters. Die von Südost über Süd bis Südwest ausgerichtete Lage weißt eine enorme Steigung von 60° auf und hat einen leichten, grauen Tonschieferverwitterungsboden.
Sehr mineralische Weine mit spannender Frucht und verspielter Leichtigkeit sind das Resultat aus anstrengender Handarbeit und den natürlichen Gegebenheiten im Weinberg. Das Weingut Reichsgraf von Kesselstatt besitzt 4,5 ha in dieser beeindruckenden Lage.
Der Name Piesport leitet sich von Pigontii portus – Furt des Pigontius ab. Goldtröpfchen ist auf col=Hügel, Berg oder nach anderer Deutung auf das glimmerhaltige Gestein zurückzuführen.
Piesporter Domherr (Mosel)
Mitten im Herzen des Goldtröpfchens, direkt an die Ortschaft Piesport grenzend, befindet sich diese Süd-Südost ausgerichtete Lage. Mit nur 11ha gehört sie zu den kleinsten Lagen an der Mosel.
Diese steile Lage in 120-150 m über NN ist sehr felsig und ist von steinigem Tonschieferverwitterungsboden geprägt. Im Zentrum dieser kleinen Lage befindet sich eine restaurierte römische Großkelteranlage, die jedes Jahr in einem festlichen Rahmen, wie zur Hochblüte des römischen Weinbaus, zum Einsatz kommt.
Das tief in den harten Felsen eingeschnittene Tal der Mosel teilt die Eifel (Norden) und den Hunsrück (im Süden). Immer wieder wechselt der verspielte Fluss zwischen Trier und Koblenz die Richtungen, die Zahlreichen Windungen ergeben viele sehr gute Süd- und Südwesthände. Tief hat sich der Fluss in Jahrmillionen in die Berge gegraben und so die einmaligen Schieferhänge freigelegt. An den steilen Prallhängen bieten sich so hervorragende Vorraussetzungen für den Riesling. Und in den flacheren Lagen am Gleithang nahe dem Fluss finden auch früher reifende Rebsorten seht gute Bedingungen – jede Sorte wächst bei uns dort, wo es ihr am Besten gefällt. An der engsten Moselschleife rund um das Kloster Stuben und am Calmont findet man die besten Beispiele für beide Arten.
Links die steilen Schieferhänge des Calmont, voraus die fruchtbaren Gleithänge rund um das Kloster Stuben
Auch schon vor der deutschen Grenze wächst in Luxemburg und in Frankreich neben der Mosel der Wein, hier des öfteren Weine aus der Burgunder-Familie (Weißburgunder) und der jahrtausendealte Elbling.
Klima (Makroklima) im engen Moseltal
Das Klima differiert je nach Anbaugebiet (Makroklima) und auch nach der einzelnen Lage und dem Boden (Mikroklima).
Deutsche Weine wachsen in der gemäßigten Klimazone beiderseits des 50. Breitengrades. Damit ist Deutschland eines der nördlichsten Weinanbaugebiete der Welt. Daher ist das Klima in unseren Breitengraden relativ kühl, aber ohne starke Schwankungen, da die ausgleichenden Einflüsse des Atlantiks durch die westliche Lage schon stärker zur Geltung kommen.
Die klimatischen Bedingungen sind für die hier beheimateten Rebsorten jedoch optimal. Sorten wie Riesling und Spätburgunder stammen erstens aus diesem Klima, und zweitens werden die Weine auch in keinem anderen Klima so vielschichtig und komplex. Sonne allein ist nicht alles!
Optimale Bedingungen an der Mosel
Die tiefe Lage, das in der Nacht wärmende Moselwasser und der Südwestwind (Hauptwindrichtung), der durch das Moseltal weht, machen das Moseltal zu einer klimatisch außerordentlich begünstigten Region. Die Temperaturen sind erstens höher und zweitens ausgeglichener als nur wenige Kilometer nördlich und südlich.
Zeugnisse davon sind auch die vielen, exotisch anmutenden Tiere und Pflanzen, die in dem schon fast mediterranen Klima bestens gedeihen. Viele Winter sind komplett schneefrei, schlecht für die Kinder, die oft neidisch auf die Klassenkameraden aus den schneereichen Hunsrück- und Eifelhöhen sind. Aber gut für die teilweise frostempfindlichen Weinreben.
Nicht nur die Sonne zählt
Im Vergleich zu südlicheren Anbaugebieten ist die Sonnenscheindauer in unseren Breitengraden geringer, die frostfreien Perioden sind kürzer und die Durchschnittstemperaturen niedriger. Dafür sind die Niederschläge in Deutschland Zeit und Mengenmäßig meist ausgewogener. Zudem sind Trockenschäden durch verdorrtes Weinlaub oder Wassermangel in unserer Klimazone seltener.
Anforderungen der Rebe an das Klima:
* Sonnenscheindauer: 1.300 Stunden pro Jahr.
* Mindestanforderungen an die Durchschnittstemperaturen:
Blütezeit, mind. 15 Grad.
Vegetationszeit, mind. 18 Grad.
Während der Traubenreife, mind. 15 und 20 Grad.
* Benötigte Niederschläge über das Jahr: 400 bis 500 ml.
* Sonstiges:
Keine Trockenperioden über die Sommerzeit.
Kein Regen zur Zeit der Traubenreife.
Einmal wieder zeigte sich im Jahrgang 2002, dass nicht Höchsttemperaturen allein zählen. Obwohl nur wenige Tage richtig heiß waren, wurden gerade durch die Wechsel zwischen sehr kühlen Nächten und warmen Tagen in den Trauben viele Aromastoffe gebildet. Die optimale Temperatur liegt dabei im Bereich von 20 bis 28°C, darüber wird es für die Rebe zu stressig und es gehen zu viele Aromastoffe verloren.
Schon kleine Einflüsse wie Nähe des Flusses oder Waldes, ein anderer Boden, eine nahe Weinbergsmauer, eine “Kuhle” im Hang etc. können zu schmeckbaren Unterschieden bei den Weinen führen – so kann das Mikroklima sogar von Rebstock zu Rebstock schwanken. Bei keiner anderen Rebsorte wird dies so deutlich wie beim Riesling. Von diesen lokalen Einflüssen leitet sich auch der französische Terroir-Begriff ab.
Schiefer-Steillagen: Der heißeste Ort Deutschlands
Um eine optimale Wärme und Lichtausbeute zu erhalten sind die Weinberge in Deutschland oft entlang von Flussläufen und/oder an windgeschützten Berghängen angelegt worden. Aber nirgendwo wird dies so deutlich wie an der Mosel.
Folgende Faktoren machen das Mikroklima hier an der Mosel so einzigartig:
* Der die Sonne reflektierende und die Wärme speichernde Schiefer, der zusätzlich den Boden durch die abgegebenen Minerale im Wein schmeckbar macht
* Die Steilheit der Weinberge und dadurch der Äquatoreffekt
* Das Wasser der Mosel wirkt ausgleichend und reflektiert die Sonne in die Weinberge
* Die Weinbergs-Terrassen. Die jahrhundertealten, ohne Mörtel gebauten Bruchsteinmauern reflektieren und speichern die Sonne
* Die Tallagen sind als Schwemmgebiet sehr fruchtbar und es ist durch die Moselnähe immer genügend Wasser vorhanden. Auch stimmt allgemein die Menge der Niederschläge.
Ein Beweis der herausragenden Bedingungen ist sicher auch der Hitzerekord: 1998 wurde es im Brauneberger Juffer (ein Weinberg ähnlich dem Frauenberg) 41,2°C heiß. Dies ist die höchste jemals in Deutschland gemessene Temperatur seit Begin der Wetteraufzeichnungen.
Und auch nur hier in den Steillagen lebende, seltene Tier- und Pflanzenarten, die sonst nur viel weiter südlich heimisch sind, sprechen für das Klima. Im Sommer lernt man als Winzer in den Schiefer-Terrassenlagen sie südländische Siesta zu schätzen: für Arbeit in den Steillagen ist es mittags viel zu heiß
Böden
Die Böden bestehen an der Obermosel aus hellem Muschelkalk und Keuper. In den Tälern von Saar und Ruwer sowie an der Mittelmosel herrscht der typische dunkle, graue Devon-Schiefer. Südlich von Zell kommen der weichem Tonschiefer sowie die härteren, kieselsäurereichen Grauwacken vor. In Tallagen besteht der Boden auch aus Schotter-, Kies- und Sandablagerungen, vereinzelt auch Lehmböden, auf denen besonders der Müller-Thurgau gut wächst.
Die sauber getrennte Grenze der Bodenarten in Zell, oberhalb Devonschiefer und unterhalb Tonschiefer, bildet zugleich die Grenze zwischen Mittelmosel und Terrassenmosel. Und so sind auch die Weine von Mittelmosel verschieden, z.B. sagt man, das an der Mittelmosel besonders gutes Potential für milde Weine vorhanden ist, während unterhalb auch Potential für sehr gute trockene Rieslinge gegeben ist.
Geschichte des Weinbaus an der Mosel
Ursprünglich waren an der Mosel die Treveren, ein keltisch-germanisches Mischvolk heimisch. Diese lernten den Weinbau ausnahmsweise einmal nicht von den Römern, sondern von den Griechen, die über Marseille zu ihnen kamen. Seit dem 2. Jh. n. Chr. wird an der Mosel Wein angebaut. Sowohl die älteste deutsche Stadt, Trier (lat. Augusta Treverorum, auch als das zweite Rom bezeichnet. Größte römische Stadt nördlich der Alpen und lange Kaisersitz) als auch die ältesten deutschen Weinberge liegen hier an der Mosel.
Die Römer haben viele Spuren hinterlassen, sowohl als Ruinen (zahlreiche Weinpressen und herrschaftliche Villen – reich geworden durch den Weinhandel?), im Boden (Goldmünzen, Gräber etc.) als auch mit Weinreben wie dem Elbling und in der Kunst – Schon der römische Dichter Ausonius (310-395) rühmte 371 n. Chr im bekannten Gedicht über die “Mosella” die Mosel-Weine.
Bis zum 30jährigen Krieg wurde vornehmlich Elbling und ein paar rote Varianten angebaut. Erst seit dem 17. Jh. findet sich, vom Rheingau ausgehend, verstärkt der Riesling, der hier zu seiner ganzen Größe und Eleganz heranreift.
Der Orden der Benediktiner besaß umfangreiche Weinberge entlang den Ufern der drei Flüsse. Vom Benediktiner-Kloster St. Maximin in Trier wurde auch der damals noch nicht als Spitzensorte angesehene Riesling forciert, denn im Jahre 1695 befahl Abt Wittmann, 100.000 neue Rieslingstöcke in der Umgebung dieser Stadt anzupflanzen. In dieser Zeit war auch die Blütezeit des nahen Kloster Stubens.
Ein wichtiger Markstein in der Geschichte des Moselweinbaus stellt das Jahr 1787 dar. Clemens Wenzeslaus, Erzbischof und der letzte amtierende Kurfürst von Trier, verordnete eine Umstellung des Rebenanbaues auf Riesling. Der Zehnte (10% Steuer) ging damals an die Kirche, und da wollte der Erzbischof wohl guten Wein haben.
Im Jahre 1807 erließ Kaiser Napoleon nach der Besetzung ein Gesetz, dessen negative Nachwirkungen bis heute zu verspüren sind. Er ordnete nämlich (um Großgrundbesitz zu verhindern) die so genannte “Realteilung” an, durch die bei einer Vererbung der Grundbesitz unter allen Nachkommen gleichmäßig aufzuteilen war. Noch heute merkt man die Auswirkungen an teilweise grotesk kleinen, zerklüfteten Weinbergen, die oft nur aus wenigen Zeilen oder gar nur einzelnen Stöcken bestehen.
Eine Blütezeit erlebte die Mosel um 1900. Der Mosel-Wein war der gefragteste und teuerste Wein der Welt, noch vor den Weinen aus Bordeaux. Zahlreiche herrschaftliche Häuser von Weinhändlern zeugen davon und machen z. B. Traben-Trarbach zu einer Metropole des Jugendstils. Der erste Weltkrieg setzte der Blütezeit ein jähes Ende.
In der letzten Zeit ist als Einschnitt das Jahr 1987 zu nennen, erst ab diesem Jahr ist auch wieder der Rotweinanbau an der Mosel erlaubt.
Statistik
Die Mosel ist das viertgrößte deutsche Weinanbaugebiet (2000).
Anbaugebiet Größe
1. Rheinhessen 26.436 ha
2. Pfalz 23.764 ha
3. Baden 15.852 ha
4. Mosel-Saar-Ruwer
12.215 ha
5. Württemberg 11.224 ha
6. Franken 6.080 ha
7. Nahe 4.590 ha
8. Rheingau 3.249 ha
9. Mittelrhein 620 ha
10. Ahr 510 ha
11. Hessische Berstraße 455 ha
12. Saale-Unstrut 506 ha
13. Sachsen 373 ha
(zum Vergleich: Weinort Neef) (130 ha)
Deutsche Weinanbaugebiete 2000
Auf 12750 Hektar werden folgende Sorten angebaut:
Rebsorte Anteil
1. Riesling 55%
2. Müller-Thurgau (Rivaner) 23%
3. Elbling 9%
4. Kerner 6%
Sonstige 7%
Die wichtigsten Rebsorten an der Mosel 2000
Die Mosel ist damit das größte zusammenhängende Riesling – Anbaugebiet der Welt. Das große Anbaugebiet besteht aus fünf Bereichen mit 20 Großlagen und 507 Einzellagen.
Der Bereich Zell (Untermosel) ist in die fünf Großlagen Weinhex, Goldbäumchen, Rosenhang, Grafschaft und die berühmte “Schwarze Katz” (mit dem Tier auf dem Etikett) gegliedert. Der Bereich Bernkastel (früher Mittelmosel) besteht aus den Großlagen Vom heißen Stein, Schwarzlay, Nacktarsch (mit dem Kröver Nacktarsch), Münzlay, Badstube, Kurfürstlay, Michelsberg (mit der Einzellage Goldtröpfchen beim Ort Piesport), St. Michael und Probstberg. Der Bereich Saar-Ruwer umfasst die Großlagen Römerlay und Scharzberg. Der Bereich Obermosel besteht aus den beiden Großlagen Königsberg und Gipfel. Der Bereich Moseltor hat nur die einzige Großlage Schloss Bübinger.